Gemeinsames Gedenken an die Opfer von Katyn ist ein erster Schritt

Das gemeinsame Gedenken der Regierungschefs von Polen und Russland an die Opfer des Massakers von Katyn ist ein wichtiger Schritt in den polnisch-russischen Beziehungen. Jahrzehntelang riss die sowjetische Leugnung und später die fehlende russische Auseinandersetzung mit dem 1940 vom sowjetischen NKWD verübten Mord an mehr als 22 000 polnischen Offizieren und Intellektuellen tiefe Gräben zwischen beiden Ländern auf.
Doch von einem gemeinsamen Geschichtsverständnis sind beide Seiten noch weit entfernt. Das erstmalige gemeinsame Gedenken der Regierungschefs sollte also der Ausgangspunkt für einen weiteren polnisch-russischen Dialog über die Geschichte auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene sein. Die Erwartungen in Polen sind diesbezüglich sehr hoch, gleichzeitig aber auch von viel Skepsis gegenüber der russischen Haltung begleitet. In Russland muss die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle während des Zweiten Weltkrieges – vor allem in den Jahren 1939 bis 1941- noch wachsen und sichtbarer werden. An den deutsch-polnischen Beziehungen hat sich immer wieder deutlich gezeigt, welch große Bedeutung ein kritischer und offener Umgang mit der Geschichte für die Beziehungen zwischen zwei Staaten und zwischen zwei Völkern hat. Dies ist häufig schwierig, doch absolut notwendig, um Vertrauen schaffen und gemeinsam in die Zukunft blicken zu können. Russland muss sich nebem dem berechtigten Gedenken an die eigenen Opfer jedoch auch der eigenen Verantwortung stellen. Ein zentraler Punkt ist hier die Freigabe aller noch in Archiven verschlossenen Akten und Informationen über die Geschehnisse in Katyn.

08. April 2010