Markus Meckel wendet sich an die demokratische Opposition Kubas

Lieber Dr. Fariñas Hernández,
Liebe Freunde auf Kuba,

mit großer Trauer habe ich im Februar vom Tod Orlando Zapatas gehört. Mit großer Besorgnis verfolge ich derzeit die Nachrichten über Dr. Guillermo Fariñas Hernández Hungerstreik.

Ihr kämpft seit Jahren oder Jahrzehnten friedlich und mutig für ein freies und demokratisches Kuba. Ich weiß, dass Ihr diesen friedlichen Kampf unter schwersten Bedingungen führt. Viele von Euch, Eure Freunde und Familien haben schlimmes Leid auf sich genommen. Ich habe tiefen Respekt vor Eurem unermüdlichen Einsatz für ein anderes Kuba. Ebenso respektiere ich die Entscheidung eines jeden, der in den Hungerstreik tritt und bereit ist, unter Einsatz des eigenen Lebens ein Zeichen zu setzen für Freiheit und Demokratie. Das eigene Leben ist das größte Opfer, das ein Mensch zu bringen vermag. Diese Bereitschaft und der unerbittliche Wille, alles zu geben, verlangt unser aller Hochachtung.

Dennoch möchte Euch bitten, für die Freiheit zu LEBEN! Ich möchte Sie, Dr. Fariñas Hernández bitten, zu leben. Eure Leben, Eure Kräfte, Eure Ideen, Eure Worte, Eure Visionen sind die Grundfesten, auf denen ein freies und demokratisches Kuba entstehen wird. Wir wissen nicht, wann der Wandel kommen wird, aber er wird kommen!

Als Oppositioneller in der DDR habe ich lange Zeit von Freiheit und Demokratie nur geträumt, darauf hingearbeitet und auch manches riskiert. Dennoch habe ich viele Jahre lang nicht daran geglaubt, dass ich selbst noch eine demokratische DDR erleben werde. Die Machtstrukturen des Regimes schienen so fest wie Zement zu sein, fast jede freiheitliche Regung wurde ausspioniert und vieles schon im Keim erstickt. Dennoch durfte ich schließlich erleben, dass der Freiheitwillen der Menschen in ganz Mittel- und Osteuropa und auch in meinem Land siegte. Fast von heute auf morgen wurden aus ehemals verfolgten Oppositionellen die Politiker eines demokratischen Staates, die Verantwortung für den Übergang trugen. Ich betrachte dies alles als ein Geschenk und ein großes Glück und empfinde bis heute tiefe Dankbarkeit, es erlebt zu haben.

Liebe Freunde, wir wissen nicht, wann der Wandel auf Kuba kommen wird, aber er wird kommen! Ich möchte Euch ermutigen, den Glauben daran nicht aufzugeben und für ein anderes Kuba weiterzuleben. Die Europäische Union und alle freien und demokratischen Länder rufe ich auf, ihren Blick auf Kuba zu richten und der demokratischen Opposition aktiv und solidarisch die Hand zu reichen.

In Verbundenheit
Markus Meckel

Das Schreiben auf Spanisch/Versión en castellano

27. April 2010