Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Aktuelles

Diskussion in Schloss Bellevue zur Bedeutung der Geschichte für die Einheit Europas

Gemeinsame Veranstaltung des Bundespräsidenten und der Bundesstiftung Aufarbeitung

08.12.2016

Die Podiumsteilnehmer diskutierten im Schloss Bellevue nach der Begrüßung von Budespräsident Joachim Gauck und dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Aufarbeitung Rainer Eppelmann über die Herausforderungen Europas vor dem Hintergrund der Teilung in Ost und West bis 1989.

Auf Einladung des Bundespräsidenten und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur diskutierten am 7. Dezember internationale Gäste über die Herausforderungen Europas vor dem Hintergrund der Teilung in Ost und West bis 1989. Bundespräsident Joachim Gauck betonte in seiner Eröffnungsrede in Schloss Bellevue das gemeinsame historische Erbe Europas: „Der Widerstand gegen Totalitarismus und Gewaltherrschaft und das Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, das sind unsere gemeinsamen Fundamente.“ Wie der Bundespräsident erinnerte auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung Rainer Eppelmann an die besondere Rolle, die die Freiheitsbewegungen in Ostmitteleuropa für das friedliche Zusammenwachsen nach Ende des Kalten Kriegs hatten. Es komme nun darauf an, die verschiedenen historischen Erfahrungen zu vereinen: „Eine europäische Erinnerungskultur könnte dazu beitragen, dass die Europäer ihre Geschichte – die Geschichte Westeuropas und Osteuropas – als gemeinsames Erbe begreifen.“

Die anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete den Zusammenhang der unterschiedlichen Erfahrungen und aktuellen Herausforderungen Europas aus multinationaler Perspektive. Der polnische Journalist Adam Krzeminski verwies darauf, dass die Europäische Union für Polen seit 1989 eine wichtige normgebende Instanz gewesen sei. Nationale Töne in der aktuellen Politik könnten nicht überdecken, dass eine überwiegende Mehrheit der Polen den europäischen Institutionen vertrauen. Die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin Katja Petrowskaja betonte, dass es angesichts aktueller Herausforderungen wichtig sei, sich grenzübergreifend mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Osteuropa würde sich in einer ganz anderen Phase nationaler Entwicklung befinden als die westlichen Staaten.

Dennoch, so der ehemalige Europaabgeordnete und Bürgerrechtler Werner Schulz, spüre man selbst in der Ukraine die Anziehungskraft des europäischen Gedankens. Die jüngsten Proteste dort würden zurecht als Euromaidan bezeichnet. Zugleich verwies der britischer Kunsthistoriker Neil MacGregor, Gründungsintendant des Berliner Humboldt-Forums, auf das Fortwirken der verschiedenen nationalen Vergangenheiten. Wegen ihres unterschiedlichen historischen Erbes habe jedes Mitgliedsland andere Erwartungen an das gemeinsame Europa und an die EU.

Einigkeit herrscht bei den Podiumsgästen darüber, dass sich gerade junge Menschen mit den demokratischen Errungenschaften auseinandersetzen müssten, um diese mit Leben zu füllen. Dazu gehöre nicht zuletzt, vom eigenen Wahlrecht Gebrauch zu machen, sagte Neil MacGregor mit Blick auf das Brexit-Referendum in Großbritannien.

Die von Sabine Adler moderierte Gesprächsrunde wird vom Deutschlandfunk am Mittwoch, 14. Dezember 2016, ab 19.15 Uhr auf dem Sendeplatz „Zur Diskussion“ ausgestrahlt. Die Frequenzen finden Sie unter www.dradio.de/dlf/frequenzen/
Die gesamte sechsteilige Reihe „Vergangenheit erinnern – Demokratie gestalten“ des Bundespräsidenten und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird auf der Website www.erinnern-und-gestalten.de ausführlich dokumentiert.