Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Aktuelles

Freiheits- und Einheitsdenkmal oder wilhelminische Kolonnaden?

Widersteht dem Putsch des Haushaltsausschusses gegen die Beschlüsse des Bundestages!

28.11.2016

Der Vorschlag der Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals zur Erinnerung an die glücklichste historische Stunde der Deutschen im 20. Jahrhundert ist lange öffentlich diskutiert worden und führte schließlich 2007/2008 zu den entsprechenden Beschlüssen im Bundestag.

Schon im April 2016 hat nun der Haushaltsausschuss des Bundestages am zuständigen Kulturausschuss vorbei das baureife Projekt gestoppt. Grund war, so hieß es, eine "Kostenexplosion". Erstaunlich dann, dass weder der Kulturausschuss noch der Bundestag insgesamt sich dagegen wehrte, dass ihre Beschlüsse mir nichts dir nichts außer Kraft gesetzt wurden..

Nun aber geriert sich der Haushaltsausschuss als Stadtplaner: und entgegen allen früheren Beschlüssen sollen an gleicher Stelle zwischen dem Berliner Schloss und Schinkels Bauakademie (die nun wieder aufgebaut werden soll - ein wichtiger Beschluss!) die ehemaligen wilhelminischen Kolonnaden wieder errichtet werden, die den Rahmen für das alte Reichsdenkmal darstellten.

Kosten spielen offensichtlich plötzlich keine Rolle mehr. 18,5 Millionen € - mehr als das "überteuerte" Freiheits- und Einheitsdenkmal kostet - will der Ausschuss dafür zur Verfügung stellen.  Für ein Projekt, das niemand forderte und wollte und das die Leerstelle des wilhelminischen Denkmals nur noch hervorhebt und so rückwärtsgewandt daherkommt.

Sollen wirklich alle Reden seit einem Vierteljahrhundert zum 9.. November und zum 3. Oktober mit Karacho zu schlichten Sonntagsreden - fern der Realität - gemacht werden?

So sind Öffentlichkeit und Bundestag aufgerufen, sich selbst ernst zu nehmen und die Verständigungsprozesse früherer Jahre nicht auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.

Ein waches historisches Bewusstsein zu behalten und die Fähigkeit zu bewahren, sich auch öffentlich und in manifester Gestaltung über die glücklichen Erfahrungen unserer Geschichte freuen zu können - das dürfen wir uns nicht nehmen lassen!

Weitere Informationen finden Sie hier:

Offener Brief an Bundestag und Bundesregierung