Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Aktuelles

Markus Meckel leitet den Gesprächskreis Polen: 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs und Unabhängigkeit Polens – eine gedenkpolitische Herausforderung

07.12.2017

V.l.: Historiker Prof. Dr. hab. Wlodzimierz Borodziej vom Historischen Institut der Universität Warschau, Vorsitzender des Gesprächskreises Markus Meckel, Historiker Prof. Dr. Jörn Leonhard, Lehrstuhldirektor am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

Das Jahr 2018 steht im Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Für Polen und andere europäische Staaten bedeutete dieses historische Ereignis auch, dass sie ihre Unabhängigkeit (wieder) erlangten. Ein gemeinsames europäisches Gedenken ist bei derart unterschiedlichen Prämissen kein einfaches Unterfangen. Der Gesprächskreis Polen unter Vorsitz von Markus Meckel beschäftigte sich im November 2017 mit den Anforderungen einer europäischen Erinnerungskultur.

Der polnische Historiker Prof. Dr. hab. Wlodzimierz Borodziej vom Historischen Institut der Universität Warschau und sein deutscher Kollege Prof. Dr. Jörn Leonhard, Lehrstuhldirektor am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, führten in das Thema ein.

Die dann folgende Diskussion zeigte auf, als wie komplex sich die europäische Gedenkkultur gestaltet, indem sie die unterschiedlichen historischen Perspektiven der involvierten Staaten berücksichtigen muss. Dies sei auch im Hinblick auf die Lehren entscheidend, die man aus dem Ersten Weltkrieg als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ für die Herausforderungen heute und in Zukunft ziehen müsse.

Die nach dem Ersten Weltkrieg etablierte Friedensordnung habe neben ihren Errungenschaften zwar Konstruktionsfehler beinhaltet, die es zu analysieren gelte. Dies sollte aber keinesfalls dazu missbraucht werden, revisionistische Debatten zu rechtfertigen. Gerade in Deutschland müsse man in diesem Zusammenhang vorsichtig und sensibel bleiben.

2018 sollen in Polen 100 Jahre Unabhängigkeit feierlich begangen werden. Es stellt sich die Frage, inwiefern das Gedenken regierungsseitig nur aus rein nationaler Perspektive gewünscht ist oder auch in die europäische Erinnerungskultur eingebettet werden soll. Je mehr man sich aber gegenseitig füreinander öffne und gemeinsame Diskussionen über die unterschiedlichen Erfahrungen ermögliche, umso eher komme man zu dem Schluss, dass nur diese gesamteuropäische Einbettung ein vollständiges Bild wiedergibt.

In diesem Sinne plädieren auch die Unterzeichner des kürzlich veröffentlichten Manifests „Initiative 1918-2018“, das der Gesprächskreisvorsitzende Markus Meckel mitinitiiert hat und in welchem Historiker – darunter die beiden Referenten dieses Gesprächskreises –, Publizisten, Politiker und Künstler aus 17 Nationen sich für eine europäische Perspektive beim Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs aussprechen.

Der Gesprächskreis Polen ist ein Kooperationsprojekt des Robert Bosch-Zentrums der DGAP und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Quelle: DGAP 

 

Den neuen Essay von Markus Meckel über "Historisches Gedenken auf dem Weg der Versöhnung.

100 Jahre Unabhängigkeit Polens – eine gedenkpolitische Herausforderung" finden Sie hier.