Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

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Neues Denkmal für Polens Kriegsopfer: Meckel warnt vor falscher Signalwirkung

15.11.2017

In diesen Tagen ruft eine Initiative bedeutender Persönlichkeiten dazu auf, in Berlin ein Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges zu errichten. Diese Initiative greift einen Vorschlag auf, den Professor Wladislaw Bartoszewski schon vor Jahren machte.

„Obwohl auch für mich natürlich außer Frage steht, dass es von zentraler Bedeutung ist, die Millionen polnischer Opfer anzuerkennen und zu ehren, so kann ich mich dieser Initiative jedoch nicht anschließen“, erklärte Markus Meckel, Erinnerungs- und Gedenkpolitiker heute in Berlin. „Ein solches Denkmal wäre der Beginn, die Millionen Opfer des Vernichtungskrieges im Osten nach Nationen getrennt zu ehren - und das kann ich nicht für sinnvoll halten.“ Meckel geht ferner von einer falschen Signalwirkung eines solchen Denkmals aus: „Ich wage vorherzusagen, dass dann mit nicht weniger Recht auch für die ukrainischen, belarussischen, russischen und weiteren Opfer Denkmale errichtet werden müssten.“  Bei jedem gehe laut Meckel die Zahl der Opfer in die Millionenhöhe.

Mit welchem Grund ein Denkmal für die einen und die anderen nicht, wo anfangen und wo aufhören?  Aus diesem Grund habe Meckel – damals als Vorsitzender der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe und gleichzeitig Mitglied im Kulturausschuss des Bundestages – auch früher schon den Vorschlag von Bartoszewski nicht unterstützen können. „Es gibt jedoch durchaus die Möglichkeit und Grund genug, ein 'Polendenkmal' in Berlin zu errichten – und zwar am alten Ort in Berlin-Friedrichshain“, machte Meckel deutlich. „Das dort vorhandene Denkmal wird nun von der Botschaft wegen seiner historisch inkorrekten Aussage verständlicherweise nicht mehr genutzt. Dies sollte nun Grund genug sein, es nun endlich umgestalten – und zwar gründlich!“ Die vorhandene künstlerische Gestaltung gehöre Meckels Ansicht nach ins Museum: „Von dem bisherigen Denkmal würde ich nur die Überschrift lassen: ‚Für eure und für unsere Freiheit‘.“

Meckel setzt sich dafür ein, auf dieser Grundlage ein völlig neues Denkmal zu errichten – im Rahmen einer gemeinsamen deutsch-polnischen Initiative. „Hier sollte es aber nicht um die polnischen Opfer gehen, sondern um den Beitrag Polens an der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte. Dieser sollte dargestellt werden - vom Hambacher Fest über die Befreiung vom Nationalsozialismus, an der Polen in allen alliierten Armeen beteiligt waren, bis hin zu Solidarnosc und 1989/90.“ Mit dieser inhaltlichen Ausrichtung gebe es eine Singularität Polens, die ein Denkmal allemal rechtfertige, so Meckel abschließend.