Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Aktuelles

Offner Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller: Neugestaltung des Checkpoint Charlie

In einem Offenen Brief wenden sich ausgewiesene Experten aus Fachwissenschaft, Gedenkstätten und Politik, die sich seit langem mit dem Thema beschäftigen, an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und treten im Ergebnis des öffentlichen Beteiligungsverfahrens, der Workshops und eines bevorstehenden Architekturwettbewerbes für eine zeitnahe Realisierung des geplanten Museums am ehemaligen Ausländerübergang Friedrichstraße in einer adäquaten Bebauung der Stadtbrache ein.

27.08.2018

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, dass 28 Jahre nach dem Fall der Mauer endlich Bewegung in die Neugestaltung des Geländes am Checkpoint Charlie kommt. Damit werden das planlose Treiben und der unwürdige Zustand an diesem besonderen Geschichtsort hoffentlich bald ein Ende finden – zugunsten eines modern und offen gestalteten Areals, das die Berlinerinnen und Berliner ebenso wie Menschen aus aller Welt anzieht, ihnen eine Ahnung von der Bedeutung dieses Ortes und Kenntnisse über seine Geschichte vermittelt. Hier soll in Ergänzung der anderen Berliner Erinnerungsorte der internationale Aspekt der Mauer und der Ost-West-Auseinandersetzung thematisiert werden. Für das Verständnis vieler, auch aktueller weltpolitischer Entwicklungen ist das Wissen um die Blockkonfrontation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert von großer Bedeutung.

Wir halten es für höchst wünschenswert, dass nun auf der Grundlage des Beteiligungsverfahrens und der städtebaulichen Workshops zusammen mit dem Investor ein Architekturwettbewerb und darauf aufbauend ein Bebauungsplan für den Eingang in die südliche Friedrichstadt auf den Weg gebracht wird.

Wir lehnen es entschieden ab, dass die Stadt Berlin durch die Wahrnehmung ihres Vorkaufsrechtes die Schulden der gescheiterten Investoren übernimmt. Dies würde dem Berliner Haushalt finanzielle Mittel in dreistelliger Millionenhöhe entziehen – Mittel, die nicht zuletzt für den Wohnungsbau und für soziale Einrichtungen der Stadt wesentlich sinnvoller verwendet werden können.

Wir plädieren für eine baldige Entscheidung auch deswegen, weil Berlin in dem Investor Trockland einen Partner hat, der sich der Bedeutung des Ortes bewusst und dem es ein Anliegen ist, seiner Geschichte gerecht zu werden. Würde er zum Ausstieg gezwungen, bliebe wegen der dann erforderlichen neuen Beschlüsse und Neuplanungen dieser wichtige Ort für mindestens weitere zehn Jahre touristischer Rummelplatz.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Marianne Birthler - ehem. Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Prof. Dr. Frank Bösch – Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, Rainer Eppelmann – Vorstand der Stiftung Aufarbeitung, Prof. Dr. Bernd Greiner – Berliner Kolleg Kalter Krieg, Dr. Hope Harrison – George Washington University, Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke – Beiratsvorsitzender der Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Ludolf Herbst – em. Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Hans-Hermann Hertle – Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Ralf Hirsch – DDR-Bürgerrechtler, Prof. Dr. Hans Walter Hütter – Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik, Dr. Konrad Jarausch – University of North Carolina, ehem. Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, Thomas Jeutner – Gemeindepfarrer an der Kapelle der Versöhnung (Erinnerungsort Bernauer Straße), Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Visit Berlin, Prof. Dr. Axel Klausmeier – Direktor der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer, Rainer E. Klemke – Vorsitzender des Vereins „Zentrum Kalter Krieg-Ausstellung am Checkpoint Charlie“, Thomas Krüger – Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Dr. Jürgen Lillteicher – Direktor des Alliierten-Museums in Berlin, Markus Meckel – Außenminister a.D., Dr. Jörg Morré – Direktor des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst, Uwe Neumärker – Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Dr. Christian Ostermann – Direktor des Cold War International History Project am Woodrow Wilson International Center for Scholars, Washington, Steffen Reiche – Kulturminister Brandenburg a.D., Prof. Dr. Martin Sabrow – Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, André Schmitz – Kulturstaatssekretär a.D., Prof. Dr. Waltraud Schreiber – Lehrstuhl für Theorie und Didaktik der Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Nikolaus Sander – ehem. Kulturpolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, Dr. Olaf Weißbach – Geschäftsführer der Robert-Havemann-Gesellschaft, Prof. Dr. Hermann Wentker – Leiter der Abteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte, Prof. Dr. Manfred Wilke – ehem. Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin, Dr. Klaus Wittmann – Brigadegeneral a.D.