Außenminister a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2009
Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Aktuelles

Reitertreffen mit Markus Meckel: Diskussion um neue Entwicklungen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

28.08.2017

Protestritt durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin werden Gästen neben klassischen Angeboten auf Reiterhöfen auch an das Schutzgebiet besonders angepasste Formen der Naturerfahrung mit Pferden geboten, Wandern gemeinsam mit Eseln als Lastenträger, Planwagenwandern und Wanderreiten mit Pferden mit den jeweils zugehörigen Dienstleistungsangeboten wie Wanderreitstationen etc.. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in den Neunzigerjahren ist allgemein anerkannt, dass Biosphärenreservat und Tourismus gut zusammengehören und beide wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Region beitragen.

Das gilt nach früheren Konflikten nicht nur für das Wandern und Radfahren, sondern auch für den Pferdetourismus, insbesondere seit dem Waldgesetz von 2004. Im früheren Waldgesetz war das Reiten nur dort möglich war, wo es ausdrücklich genehmigt und entsprechende Reitwege ausgewiesen wurden. Dies jedoch hatte sich als unpraktikabel erwiesen und vielfältige Konflikte hervorgerufen, sodass im Waldgesetz von 2004 das Prinzip verändert wurde: Von da an darf auf zweispurigen Wegen im Wald unbegrenzt geritten und Kremser gefahren werden, nur eben nicht, wo es ausdrücklich verboten wird. Diese – auch für andere Bundesländer beispielhafte – Regelung hat zum Ende der Konflikte und zum Aufblühen des Pferdesports in Brandenburg, insbesondere aber auch im Biosphärenreservat geführt.

In letzter Zeit häuften sich leider Anzeigen im Zusammenhang mit dem Reiten in einem Privatwaldgebiet bei Angermünde. Man beruft sich dabei auf die Verordnung zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin von 1990 und möchte – wie im früheren Waldgesetz – Reiten von einer ausdrücklichen (Sonder-)Genehmigung bzw. der Ausweisung eines Reit-(bzw. Pferdewagen-) Wegenetzes abhängig machen. Die Untere Naturschutzbehörde hat sich der Interpretation angeschlossen, dass Reiten und Kremserfahren im Biosphärenreservat grundsätzlich verboten sei – und stellt damit die durch die Umkehrung des Prinzips im Waldgesetz von 2004 eingetretene Befriedung zwischen Reittourismus und Biosphärenreservat infrage.

Wir halten es für dringend geboten, die offensichtlich eingetretene Rechtsunsicherheit im Sinne des Waldgesetzes von 2004 klarzustellen. Auch für die Biosphäre muss das Waldgesetz und mit ihm die 2004 eingeführte Umkehrung des Prinzips gelten, dass überall dort geritten werden darf, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Dabei wird selbstverständlich anerkannt, dass im Biosphärenreservat aus besonderen Naturschutzgründen mehr Wegstrecken verboten sein werden als in einer Landschaft, die nicht einem besonderen Schutz unterliegt.

Die von der Unteren Naturschutzbehörde geplante Praxis von Sondergenehmigungen und der künftigen Ausweisung eines Reitwegenetzes halten wir nicht für zielführend. Die Rückkehr zu diesem seit 2004 überwundenen Prinzip würde zu erheblichen Störungen im Reittourismus und zur Gefährdung verschiedener Unternehmen führen. Vielfältige Konflikte, die seit 2004 der Vergangenheit angehören, wären damit vorprogrammiert, außerdem würde der Verwaltungsaufwand und öffentliche Personalbedarf erheblich erhöht. 

 

Den Rechtsfrieden erhalten! – Reiten im Biosphärenreservat

 

Einen Artikel der Märkischen Oderzeitung dazu finden Sie hier

Einen Kurzfilmbeitrag des Uckermark TV - Nordkuriers dazu finden Sie hier.