Kuratoriumsmitglied im Europäischen Netzwerk “Erinnerung und Solidarität”
Geschichte in Europa gemeinsam verstehen und aufarbeiten
Homepage: www.enrs.eu
Viele Diskussionen über den Umgang mit der schwierigen Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigen, dass in Europa nach wie vor die Notwendigkeit zum Dialog und zur gemeinsamen Geschichtsaufarbeitung besteht. Oftmals wissen wir zu wenig über die Geschichte der Nachbarländer bzw. kennen ihre Perspektive auf die gemeinsame Geschichte nicht. Das Europäische Netzwerk “Erinnerung und Solidarität” dient der grenzüberschreitenden Aufarbeitung der Geschichte, vor allem der beiden Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Es fördert konstruktive und zukunftsweisende Projekte zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Herausbildung einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur soll unterstützt, das Kennenlernen und Verstehen der unterschiedlichen Geschichtsbilder gestärkt werden.
Im Laufe des Jahres 2009 haben nach langer Anlaufphase die Kulturminister Deutschlands, Polens, Ungarns und der Slowakei eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet und entsprechende Verträge abgeschlossen, so dass das Netzwerk mit Sitz in Warschau seine operative Arbeit aufnehmen kann. Tschechien, Österreich und weitere Länder sind an der Mitarbeit interessiert. Das Netzwerk ist für die Mitarbeit weiterer Länder offen.
Die Entstehung des Europäischen Netzwerks “Erinnerung und Solidarität”
Als Reaktion auf die Debatte um das vom Bund der Vertriebenen geforderte Zentrum gegen Vertreibungen wandten sich im Oktober 2003 die damaligen Präsidenten Deutschlands und Polens, Kwasnieski und Rau, mit der sog. “Danziger Erklärung” an die Öffentlichkeit. Sie riefen die Europäer dazu auf, im Geiste der Freundschaft und der Versöhnung
“alle Fälle von Umsiedlung, Flucht und Vertreibung, die sich im 20. Jahrhundert in Europa ereignet haben, gemeinsam neu [zu] bewerten und dokumentieren, um ihre Ursachen, ihre historischen Hintergründe und ihre vielfältigen Konsequenzen für die Öffentlichkeit verständlich zu machen”.
Sie verurteilten die politische Instrumentalisierung von Geschichte sowie Entschädigungsansprüche und Schuldzuweisungen. Auf der Linie der Danziger Erklärung begannen 2003/2004 auf Initiative der deutschen Staatsministerin für Kultur und Medien, Christina Weiss, Gespräche mit Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und schließlich auch Österreich zur Gründung eines Europäischen Netzwerkes. Ziel des Netzwerkes sollte die Aufarbeitung der schwierigen Geschichte des 20. Jahrhunderts in einem grenzüberschreitenden Dialog in einer Weise sein, aus der Versöhnung erwachsen und nicht Spannungen verstärkt und neu geschaffen würden.
Am 2. Februar 2005 wurde in Warschau die Absichtserklärung zur Gründung des Netzwerkes von den Kulturministern Polens, Deutschlands, Ungarns und der Slowakei verabschiedet. Die Tschechische Republik erklärte sich, ebenso wie Österreich bereit, auf Projektebene zu kooperieren. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung wurde das “Europäische Netzwerk” als Stiftung nach polnischem Recht eingerichtet. Vor allem die Regierungswechsel in Deutschland und Polen 2005 und erneute heftige deutsch-polnische Debatten über die Erinnerung an Flucht und Vertreibung führten allerdings dazu, dass der Prozess zur Bildung des Netzwerkes über längere Zeit ins Stocken geriet. Umso erfreulicher ist, dass es 2009 — im Jahr des 20-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa — endlich gelungen ist, das Netzwerk zu etablieren.
Am 12. Februar 2010 wurden in Warschau die Gremien konstituiert.
Kuratorium:
Ministerpräsident a.D. Ján Carnogurský (Slovakei) – Vorsitz
Markus Meckel und Stephan Eisel (Deutschland),
Anton Hykisch (Slovakei),
Jerzy Buzek und Krzysztof Pomian (Polen),
Petr Pithart und +Jiri Grusa (Tschechische Republik),
Josef Höchtl (Österreich),
Laszlo Szarka und Andras Masat ( Ungarn).
Stiftungsrat:
Jan Rydel (Polen) – Vorsitzender
Matthias Weber (Deutschland)
Attila Pók (Ungarn)
Ivan Petranský (Slovakei)
Wissenschaftlicher Beirat:
Csaba Gy. Kiss (Ungarn) – Vorsitzender;
Pawel Machcewicz und Marek Kornat (Polen);
Stefan Troebst und Martin Schulze-Wessel (Deutschland);
Ondrej Podolec und Róbert Letz (Slovakei);
Gábor Erdödy (Ungarn)
Vorstand:
Rafal Rogulski (Vors.) und Dr. Burkhard Olschowsky
Literaturhinweis:
- Troebst, Stefan (Hrsg.): Vertreibungsdiskurs und Europäische Erinnerungskultur. Deutsch-polnische Initiativen zur Institutionalisierung. Eine Dokumentation (=Veröffentlichungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V., Band 11), Osnabrück: fibre Verlag, 2006.
